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Eine Europäerin wird 200 - Prinzessin Marianne von Preussen und der Niederlande

Wiesbaden, 5. Mai 2010 - Das Bild der Prinzessin Marianne von Preußen muss kräftig renoviert werden. Davon ist ihr bürgerlicher  Nachfahre überzeugt: Dr. Siegismut R. Hug lebt in Wiesbaden und hat sich intensiv mit der Familiengeschichte beschäftigt...

5.5.2010
 

... Seine Mutter Marie Therese Hug Prinzessin von Preußen war die letzte preußische Prinzessin, die noch das Kaiserreich erlebt hat und noch den Titel königliche Hoheit trug. Sein Vater war Oberst Rudolf Hug. Er selbst kann als Ur- Ur- Enkel der Marianne nicht verstehen, wie ihr Leben bis heute nur als ein aristokratisches Scheidungsdrama im 19. Jahrhundert dargestellt wird:  In einer höfischen Welt eingeengt durch die strenge Etikette. Für Hug ist  Prinzessin Marianne nach 200 Jahren nach ihrer Persönlichkeit und Menschlichkeit zu beurteilen.
 
Niederländische Prinzessin im Exil in Berlin
Marianne wurde 1810 als Tochter des späteren ersten niederländischen Königs, Wilhelm I. (1772-1843) und dessen Gattin Wilhelmine von Preußen in Berlin geboren. Ein ungewöhnlicher Geburtsort für eine Königstocher der Niederlande. Aber damals war Holland an das napoleonische Frankreich gefallen und wurde vom Bruder des Kaisers  Louis Bonaparte regiert. Die königliche Familie war schon 1795 vor Napoleon über England nach Berlin geflohen. Wiederum erreichte die adligen Flüchtlinge hier der Weltgeist zu Pferde“ (so nannte ihn Wilhelm Friedrich Hegel), als er 1806 in Berlin einzog.

 

Im Jahr 1815 endlich - nach der Niederlage der napoleonischen Armee durch die preußischen Truppen - konnte auch Wilhelm der I. als König von Holland und Belgien in seine niederländische Heimat zurückkehren. Marianne soll am Hof in Den Haag eine unbeschwerte Kindheit verbracht haben.

Heirat mit einem Vetter

Marianne fügte sich in die höfischen Zwänge und heiratet 1830 ihren Vetter, den jüngsten Sohn der preußischen Königin Luise, die in Berlin wegen ihrer Volksnähe als „Königin der Herzen“ verehrt wurde. Heiraten in nicht direkte Verwandtschaft war in der damaligen Aristokratie nicht ungewöhnlich. Mariannes Mann und Cousin, Prinz Albrecht von Preußen, erwies sich aber als ein recht untreuer Ehegatte. Er war eher ein verwegener Krieger und Reitergeneral, urteilt Hug über den Königssohn am preußischen Hof. Mit ihrer Heirat war sie wieder in der Stadt an der Spree. Ihr Leben spielte sich im „Prinz Albrecht-Palais“ an der Wilhelmstrasse ab. Der Wohnsitz galt als gesellschaftlicher Anziehungspunkt im bürgerlichen Berlin, wie sein Erbauer Karl Friedrich Schinkel berichtet. Im Dritten
Reich fiel allerdings ein dunkler Schatten auf das Anwesen, denn die SS der nationalsozialistischen Machthaber nahm das Haus in Besitz und verübte dort ungeheure Gräueltaten. Da das Palais im Krieg weitgehend zerstört wurde und das Grundstück mit dieser Erblast moralisch für private Zwecke nicht mehr genutzt werden konnte, verkaufte die Familie es in den 50er Jahren an die Stadt Berlin. Heute ist auf dem Areal ein Dokumentationszentrum mit der Ausstellung „Topographie des Terrors”, das am 7. Mai 2010 eröffnet werden wird, zu finden.

 

Eine frühe und überzeugte Europäerin
Siegismut Hug sieht in der niederländischen Prinzessin vor allem eine frühe Europäerin. Im schlesischen Kamenz, das heute in Polen liegt, ließ sie von dem Berliner Baumeister Karl Friedrich Schinkel ein neues Schloss bauen. Es zählte damals zu den größten Bauvorhaben in Europa. Marianne achtete peinlich genau darauf, dass die zum Bau benötigten Arbeiter und Hilfskräfte nicht von weither herangebracht wurden, wie es bei anderen Objekten üblich war. So beschäftigte man gerne Fachleute aus Italien. Die Prinzessin jedoch griff auf die Bauleute in der Region zurück. Auch bei den Materialien bevorzugte sie die schlesische Heimat. Sie ließ in der Nähe Marmorbrüche anlegen, aus denen der Marmor für das Schloss gebrochen wurde. Niederschlesien erlebte durch die zahlreichen Investitionen der Prinzessin einen wirtschaftlichen Aufschwung.

 

Sozialmanagerin in Niederschlesien und im Rheingau
Schon vor ihrer Eheschließung war Marianne außerordentlich wohlhabend. In den Jahren nach ihrer Heirat verwaltete die niederländische Königstochter das Vermögen so geschickt, dass sie bald über Ländereien von 160.000 Hektar verfügte. In Niederschlesien ließ sie gar eine Strasse von 55 Kilometer Länge anlegen. Für Witwen und Waisen gründete die Sozialmanagerin wie Hug sie nennt, schon 1844 eine eigene Versorgungskasse, baute Kinderheime und ein Krankenhaus, stiftete eine evangelische Kirche und Schulen für katholische und evangelische Kinder. Dabei wurden immer alle Mittel und Gehälter, die für diese Einrichtungen notwendig waren, auch von Marianne bezahlt. Im heutigen Polen haben solche Initiativen ihr einen vorzüglichen Ruf eingebracht, ja man verehrt die Prinzessin auf ganz besondere Weise. Das Jubiläum ihres 200. Geburtstages wird nicht nur an einem Wochenende gefeiert, wie im Rheingau, sondern das ganze Jahr wurde als Marianne von Oranien-Jahr ausgerufen mit Feierlichkeiten die sich über das ganze Jahr hinziehen. 

 

Als sich für die Eheprobleme mit Prinz Albrecht keine Lösung finden ließ, da Albrecht die Tochter des preußischen Kriegsminister heiraten wollte  und Marianne ein Kind von ihrem holländischen Lebensgefährten erwartete, blieb nur noch die Scheidung. Marianne musste das preußische Staatsgebiet verlassen und ließ sich im nassauischen Erbach nieder. Sie kaufte das Schloss Reinhartshausen, baute es aus und erweiterte es. Die während ihres vieljährigen Italienaufenthalts und Reisen durch ganz Europa erworbenen Gemälde und Skulpturen stellte sie in einem für alle zugänglichen Museum aus. 600 Objekte sollen es einmal gewesen sein. Heute verfügt das Hotel Kempinski noch über 150 Werke von europäischen Künstlern des 18. und 19. Jahrhunderts. Ihre sozialen Initiativen setzte Marianne fort: Sie gründete eine höhere Schule und nach dem plötzlichen Tod ihres 12-jährigen Sohnes Johannes stiftete sie die gleichnamige Johanneskirche in Erbach. Sie zählt zu den schönsten Kirchen in Hessen. Hochzeitspaare reißen sich um die Termine, die hier für das Ja-Wort vor dem Traualtar zu vergeben sind. Das Weingut baute die sowohl im Haag wie in Berlin in Ungnade gefallene Prinzessin aus. Heute werden dort die mithin besten Weine der Region am Rhein angebaut.  Was die Prinzessin zu allen Wohltaten trieb? Urenkel Hug gibt eine überraschende Antwort: Es war nicht ihr Streben nach immer größerem Reichtum, nach Einfluss und Macht, sondern  sie war sehr fromm, eine Frau, die es als notwendig ansah, ihren Reichtum auch für die Unterstützung der armen Menschen, vor allem für arme Witwen und Weisen einzusetzen. Deshalb will Hug, dass man heute die selbstbewusste, unkonventionelle und sozial  engagierte Geschäftsfrau sieht, die unendlich viel für Hilfsbedürftige getan hat.

 

Der 200. Geburtstag der Prinzessin:
Die Evangelische Kirche in Eltville-Erbach begeht am Samstag/Sontag, 8./9. Mai den 200. Geburtstag von Marianne von Preußen und Nassau Oranien. Die Prinzessin der Niederlande lebte von 1855 bis zu ihrem Tod 1883 als Mäzenin auf Schloss Reinhartshausen im Rheingau. Oberhalb des Wohnsitzes liegt die Prinzessin auf dem Friedhof in Erbach begraben.


Freundliche Grüße
Dr. R. Töpelmann
Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Süd-Nassau/Dekanat Wiesbaden
Weitere Information: 0611 – 734242- 17 oder – 18. Auch:  0173 3119420
Herrn Dr. Siegismut R. Hug erreichen Sie unter 06122 919648

 

  Pressemitteilung ->

 

 

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